Grüße aus der Piratenbucht
Peter Sunde mag den brasilianischen Präsidenten. Peter Sunde trinkt gerne Bier. Damit kokettierte er jedenfalls bei seinem Panel auf der diesjährigen Konferenz re:publica. Und wenn der Schwede ein Internetprojekt anschiebt, bekommt auch schon mal der schwedische Außenminister Druck aus Washington: Der Torrent-Tracker »The Pirate Bay« lehrte die Musik- und Filmindustrie weltweit das Fürchten und befeuerte Diskussionen übers Urheberrecht in Talkshows und Kinderzimmern. Das eher liberale Schweden entschied sich erst nach diplomatischer Intervention aus den USA zu Schritten gegen die Filesharing-Plattform.
Getreu dem Motto »Wer mit 20 kein Sozialist ist, hat kein Herz. Wer es mit 40 immer noch ist, hat keinen Verstand.« verbindet der 31-jährige Sunde mit seinem neuesten Projekt Herz und Verstand auf legaler Basis. Flattr ist ein so genannter Micropayment-Dienst, der es dem Teilnehmer ermöglicht, einen monatlich festgelegten Betrag durch einfache Mausklicks auf andere Teilnehmer des Dienstes zu verteilen. Wenn ich also zehn Flattr-Buttons verschiedener Blogs drücke, erhält jeder dieser Blogger ein Zehntel meines monatlichen Flattr-Budgets auf seinem Flattr-Konto gutgeschrieben. Das Geld kann man sich auszahlen lassen, oder wieder zum Flattrn anderer Seiten benutzen. Sundes Firma behält einen Teil als Provision für sich. Was die gebeutelte Europäer-Seele freuen wird: Basiswährung dieses Internet-Dienstes ist einmal nicht der US-Dollar, sondern unser in Verruf geratener Euro.
Flattr ist neu. So neu, dass die Süddeutsche Zeitung vom 15./16. Mai Flattr im Beitrag »Das Honorar kommt per Klick« des Ressorts »Beruf und Karriere«, in dem es um die Monetarisierung von Blogs geht, gar nicht erwähnt. Vermutlich hatten die Redakteure noch keine Einladung, wie man sie benötigt, um Flattr in der zurzeit laufenden Beta-Phase zu nutzen. Vielleicht ist die SZ internetthematisch aber auch mal wieder etwas hinten an.
Wenn Facebooks Like-Button das Schulterklopfen der Blogosphäre ist, dann ist Flattr der Sammelhut. Der Service richtet sich vor allem an Kreative wie Blogger, Fotografen und Musiker, die ihre Produkte bisher ohnehin kostenlos im Netz abgegeben haben und nun ein wenig vom Wir-Gefühl des Social Web profitieren können. Noch finden sich nicht viele Flattr-Buttons. Meine Member-ID ist vierstellig, woraus sich ableiten lässt, wie wenig Teilnehmer Flattr im Moment hat. Deshalb kann man auch seinen Impact auf das Netz nicht absehen, da der Dienst nur mit großen Teilnehmerzahlen Sinn macht. Es nützt ja ausschließlich Peter Sunde etwas, wenn lediglich ein kleiner Kreis von Bloggern seine Flattr-Budgets untereinander umverteilt. Wobei ihm das Geld gegönnt sei: Falls die schwedischen Urteile gegen The Pirate Bay rechtskräftig werden, braucht er jeden Euro.
Mehr zum Thema in anderen Blogs:


