Sep 2 2010

Schnelles Web-Hosting dank Host Europe

Seit knapp einem Jahr hab ich meine Webpräsenzen (1 Shop, 2 Blogs) nun beim Kölner Webhoster Host Europe und bin sehr zufrieden. Besonders die Datenbank, ohne die kein CMS, kein Blog und kein Shop läuft, ist angenehm schnell. Bei meinem vorherigen Hoster Strato war das leider nicht so.


Mrz 30 2010

Tod eines kleinen Buchhändlers

Liza Marklund? Ich lese keine Krimis, und ich muss auch keine Krimileser beraten und mit neuem Stoff versorgen. Deswegen kenne ich Liza Marklund nicht. Neulich hat sie der FAZ (zum Thema Buchpreisbindung) gesagt, dass der kleine Buchhändler sie null interessiere und er verschwinden solle, denn das kümmere niemanden – was speziell bei kleinen Buchhändlern für große Aufregung gesorgt hat. Laut buchmarkt.de und boersenblatt.net läuft im Buchhandel sogar eine eMail-Kampagne gegen Marklund mit dem Ziel, ihre Bücher zu boykottieren.
Bei meinen Recherchen nach Marklund stieß ich in der Wikipedia auf ein Foto von ihr, das beim Krimifestival »Mord am Hellweg« in Werne gemacht wurde. Da es praktisch nichts Kleineres als Werne gibt, gehe ich erst mal davon aus, dass sie nicht grundsätzlich nur die großen Dinge wichtig findet.
Eher glaube ich, wir können an ihrem Beispiel sehen, wie man von dem geprägt wird, was man tut. Die Frau schreibt den ganzen Tag lang Geschichten von, wie man so sagt, Mord und Totschlag. Einen kleinen Buchhändler über die Klinge springenlassen? Normal! Dazu ist sie geradezu verpflichtet. Es ist doch damit zu rechnen, dass in ihren Romanen Legionen von Menschen aus allen Berufsgruppen gemeuchelt werden: Ärzte, Politiker, Kellnerinnen, Frisöre, Fußballspieler. Was, in Gottes Namen, hat da ein kleiner Buchhändler am Leben zu hängen? Hätte die FAZ mit ihr über ihre Einkünfte und ihre Geldanlagen gesprochen, hätte sie sicherlich gesagt: »Was interessieren mich die Bänker und Vermögensberater, sollen sie doch alle zum Teufel gehen, die vermisst doch keiner.«
Niemand hätte widersprochen.


Dez 29 2009

Widerrufen Sie!

Ich bin überrascht, daß viele meiner Kunden nichts von ihrem gesetzlich geregelten Widerrufsrecht wissen. Es handelt sich dabei nicht, wie man vermuten könnte, nur um den eher bildungsfernen Gelegenheitsbuchkäufer, sondern auch um Akademiker und Sammler, also eine Klientel, der man die Kenntnisnahme meiner Widerrufsbelehrung und ihrer Verbraucher-Rechte durchaus zutrauen sollte.

Wenn man einmal davon absieht, daß es ohnehin eine gute Usance des Antiquariats-Buchhandels war, Bücher zur Ansicht zu schicken und im Falle des Nichtgefallens zurückzunehmen, sollte sich doch die in allen Versandbranchen, ja sogar länger im “Haustürgeschäft” übliche Rechtslage zu Rücktritt/Rückgabe/Widerruf herumgesprochen haben.  Offensichtlich ist das Internet aber eher als Schlangengrube bekannt denn als Quelle seriöser Dienstleistungen. Wieviele Warenkörbe kommen wohl deshalb nicht bis zur Online-Kasse, weil die Kunden sich ihrer Rechte nicht bewußt sind? Wieviel Umsatz entgeht uns, weil wir aus wettbewerbsrechtlichen Gründen zwar auf diese Rechte aufmerksam machen MÜSSEN, nicht aber an prominenter Stelle damit werben DÜRFEN? Der Pflicht-Text der Widerrufsbelehrung scheint vielen potentiellen Kunden nicht attraktiv genug zum Lesen zu sein. Ein knapper, deutlicher Hinweis auf der Startseite eine Onlineshops “Bei Nichtgefallen einfach zurückschicken” jedoch ist im Sinne des Wettbewerbsrechts abmahnwürdig, da mit einer Leistung geworben würde, die ohnehin gesetzlich vorgeschrieben ist. Es ist also für den einzelnen Versandhändler schwierig, dem Kunden dieses Recht aktiv mitzuteilen und die Konversionsrate, den Umsatz zu erhöhen.

Nebenbei kann man daraus etwas über Eigen- und Fremdwahrnehmung unseres Geschäftes lernen. Für uns ist das Thema absolut präsent. Wer Versand macht, muß sich damit auskennen und darüber hinaus auf dem Laufenden bleiben. Man kann sich dabei kaum vorstellen, daß die Kunden, die es genau so betrifft, davon nichts wissen. Analog kann man dieses Phänomen beobachten, wenn man gestandene Geisteswissenschaftler und Hochschulangehörige  erstmals über die Existenz von Gebrauchtbuchplattformen wie dem ZVAB aufklärt. Für uns selbstverständlich – da draußen nicht.


Dez 13 2009

Umzug, Superman und Prilblume

Das Versand-Antiquariat Michael Stein, Schwerpunkt Filmschriften, ist ab sofort unter der Anschrift Kohlenstr. 247, 45529 Hattingen zu erreichen. Die Telefonnummer +49 (0) 2324 200477 sowie selbstverständlich die Email- und Internetadressen info@antiquariat-stein.de und www.film-literature.com bleiben bestehen.

Während unserer Renovierungsarbeiten konnten wir zwei Objekte aus dem antiquariatsnahen Sammelgebiet der Ephemera zu Tage fördern und sichern. Es handelt sich um einen Aufkleber Superman, DC Comics 1977 sowie eine Prilblume, Henkel 1977. Die Stücke wurden am authentischen Ort belassen und durch Abdecken mit einem Kühlschrank vor UV-Licht geschützt.

Superman vs. Prilblume, 1977

Superman vs. Prilblume, 1977


Okt 4 2009

Update: Angebotsbündnis der Antiquariate

Hier die aktuelle Liste der Antiquariate, die bei Direktbestellung Rabatte geben oder die Versandkosten erlassen:

Die angegebenen Versandkosten, Rabatte und günstigeren Preise beziehen sich auf Bestellung über die jeweilige Angebotsseite des Antiquariates.

ANGELIBRI – Rudolf Angeli. 10% Rabatt. Innerhalb Deutschlands versandkostenfrei. Spezialgebiete: Erstausgaben, SF, Naturwissenschaft, Geisteswissenschaft.

Die Bücher-Berg – Antiquariat Martina Berg. 10% Rabatt auf alle Preise bei Dirketbestellung über meine Homepage. Spezialgebiete: Wirtschaft, Sammler-Literatur, Alles Alte aus Papier.

Antiquariat Bergische Bücherstube. Preise 3 bis 13% günstiger als mein Angebot auf den Plattformen. Spezialgebiete: Architektur, Buchwesen, Geschichte, Orts- u. Landeskunde.

Antiquariat Brandel. 10% Rabatt. Spezialgebiete: DDR-Verlage, Friedrichshagener Dichterkreis, DDR-Kunst.

Comenius-Antiquariat. Ca. 10% tiefere Preise im Vergleich zu den Angeboten auf anderen Plattformen. Stammkundinnen und -kunden werden portofrei beliefert.

Antiquariat – Gerald Hermann Franke. 10% Rabatt.

Versandantiquariat Handel & Wandel – Uta Grafe. Angebote nur auf der Homepage, nicht auf Plattformen. Versandkostenfrei innerhalb Deutschlands. Spezialgebiete: Landwirtschaft, Technik, Naturwissenschaften 19. und 20. Jh., vorrangig deutsch- und englischsprachig.

Antiquariat Hecht. Preise um 10% günstiger gegenüber Angebot auf anderen Plattformen. Spezialgebiete: Geisteswissenschaften, Ostfrisica, Insel-Bücherei.

Meteorologie-Antiquariat Michael Heß. Innerhalb Deutschlands versandkostenfrei. Spezialgebiete: Wetter und Klima, Musikinstrumente.

Antiquariat Ruth Jäger. Spezialgebiet: Anthroposophie. Versandkostenfrei in Deutschland bis 1000g.

Wolfgang Kistemann – Antiquariat für Occulta & Masonica. Angebote nur auf der Homepage, nicht auf Plattformen. Innerhalb Deutschlands versandkostenfrei. Spezialgebiete: Occulta, Freimaurerei, Alchemie, Religionswissenschaften.

Antiquariat Magister Tinius. Jedes Buch bei Direktbestellung mit 10 % Rabatt. Spezialgebiete: Literatur, Kunst, Sozialwissenschaften, Studentenbewegung.

Antiquariat Rainer Friedrich Meyer. Preise um mindestens 10% günstiger als meine Angebote auf den Plattformen. Innerhalb Deutschlands versandkostenfrei. Spezialgebiete: Alte Drucke, Pressendrucke, Einbände, Geisteswissenschaften.

Antiquariat Moments. 10% Rabatt, bei Mehrfachbestellungen 15% Rabatt. Innerhalb Deutschlands versandkostenfrei bis 1000 Gramm. Spezialgebiete: Theologie, Religionswissenschaften, Kirchengeschichte.

Antiquariat Orban & Streu. Die Bücher auf unserer Homepage sind 5% günstiger als auf den Plattformen. Spezialgebiete: Sachbücher und Belletristik des 20. und 21. Jahrhunderts.

Antiquariat Otto W. Plocher. Homepage in Vorbereitung.

Antiquariat Solder. Mindestens 10% günstiger als mein Angebot bei anderen Plattformen. Innerhalb Deutschlands versandkostenfrei. Spezialgebiete: Altphilologie, Philosophie, Kunstwissenschaften, Bibliophilie.

Versand-Antiquariat Michael Stein. Innerhalb Deutschlands versandkostenfrei. Spezialgebiete: Film und Kino.

Theodor-Storm-Antiquariat. Preise um 10% günstiger als unsere Angebote auf den Plattformen.

Antiquariat Weinbrenner – der Bücherhof. Preise um 10% günstiger als unsere Angebote auf den Plattformen. Spezialgebiet: Franconica.

Wimbauer Buchversand. 10% Rabatt bei Direktbestellung per Mail mit Verweis auf Rabattaktion.

Versandantiquariat Wolter. 10% Rabatt auf alle Artikel bei Direktbestellung (Mail oder Telefon). Ab 40 Euro versandkostenfrei im Inland; ab 100 Euro versandkostenfrei ins Ausland.


Sep 30 2009

Filmbuch-Shop: Neu!

Pünktlich zum Herbstanfang, wenn die Tage dunkler und die Nächte länger werden, wenn alle Welt über Filmtheorie und Filmgeschichte lesen will, habe ich meinen Online-Shop für Filmbücher und Filmzeitschriften neu aufgesetzt. Ich verwende xaranshop® V5.0 , das einen zeitgemäßen Shop aus einer Datenbank generiert. Er ist seit einigen Tagen online und läuft rund. Außerdem bin ich zum sympathischen Web-Hoster Host Europe GmbH umgezogen, wo jetzt auch dieser Blog liegt.


Aug 29 2009

FAZ: “Antiquare lieben Twitter”

Der Redakteur der Zeitschrift “Aus dem Antiquariat”, Björn Biester (@Philobiblos), schreibt in der heutigen FAZ (Nr. 200 vom 29.08.09) auf Seite 40 über twitternde Antiquare. Dabei erwähnt er auch meine Microblogging-Präsenz: “Michael Stein (/Filmkurier) schließlich, spezialisiert auf Film und Kino, zeigt unter anderem das Buchangebot des Tages an und verlinkt auf seine eigene Website mit versandkostenfreier Bestelloption.”
Außerdem dabei: Die Kollegen Tobias Wimbauer (@wimbauer), Otto W. Plocher (@owplocher) und Rainer Friedrich Meyer (@rfmeyer).
Update: Der FAZ-Artikel im Netz


Aug 5 2009

Entdecke das Universum

“Wenn Sie einem Menschen ein Buch verkaufen, dann verkaufen Sie ihm nicht nur so und soviel Papier, Druckerschwärze und Leim – nein, Sie verkaufen ihm ein ganzes, neues Leben.” (Christopher Morley: Parnass und Pegasus / Humboldt, Wien 1951)

Meine Erstkommunion war der wichtigste Tag in meinem Leben. Nicht wegen der gepimpten Oblate, nicht weil ich mit meiner Kerze in einem unaufmerksamen Moment den Schopf des Jungen vor mir entzündete. Die Epiphanie ereilte mich in Form eines Buches: “Entdecke das Universum” von Ian Ridpath / Moderne Jugend Heute, Wien 1976. Ein reich illustriertes, vom Text her eher uninspiriertes Jugendbuch über Astronomie und Raumfahrt. Nichts besonderes. Schlichte Ware. Es gab anderes, “besseres”. Doch dieser Band schlug bei mir ein wie ein Asteroid, sprengte mein Kinderzimmer, fegte das kleine Dorf samt Kirchturm davon und eröffnete mir einen Blick in gleich zwei Universen: das der Sterne und das der Bücher. Es folgten entsprechende Expeditionen ins “Reich der Tiere” (hätte gerne Termiten gehabt), der “Letzten Rätsel der Menschheit” (dachten die) und “Unser Jahrhundert” (zum Glück vorbei). Das meiste kam, aufgrund einer lehnsähnlichen Verpflichtung meiner dem Arbeitermilieu entstammenden Eltern, aus Gütersloh. Das schadete für den Anfang jedoch gar nichts. Ein kleiner Schritt auf der Leiter der Erkenntnis, ein großer Schritt für einen kleinen Jungen. Die Welt der Bücher rollte sich vor mir aus wie ein endloser roter Teppich und machte Lust auf die Gala: Das Leben.
Aber keine Geschichte ohne Antagonisten, Prüfungen, retardierende Momente. In der Schule wurde so lange “am Text gearbeitet”, bis jeder Zauber entwichen war und ich mich zuhause mit John Sinclair und Stephen King dopen mußte, um am nächsten Tag wieder Kraft für Böll zu haben. Heute wünschte ich, meine Lehrer wären anstelle seines Nachlasses in Köln archiviert worden. Wer wissen möchte, wie vernichtend selbstgefällige Arroganz auf einen jungen Menschen wirkt, der schicke sein Kind mit einem Groschenroman in den Deutschunterricht. Doch es gab nicht nur Nürnberger Trichterstopfer, es gab auch Mentoren. Ob sie wußten, was sie taten, als sie mich mit Musils “Törleß” konfrontierten, mit Hesses “Unterm Rad” impften, als sie mit Kerouac Anarchie säten? Vielen Dank dafür.
Während meines Wehrdienstes (sorry, kommt nicht wieder vor) ernährte ich mich von Douglas Adams. Den Verstand zu verlieren erschien mir die beste Strategie, selbigen zu bewahren (Catch 22). Nur Ford Prefect und Zaphod Beeblebrox war zu verdanken, daß ich nicht an Vogonen-Lyrik wie “Kompanie schtschstndn” und “Hauptfeldwebel Müller ist heute seit zwanzig Jahren in unserer Einheit – Er bekommt einen halben Tag Sonderurlaub” zerbrach.
Trotzdem fand ich meinen Verstand danach nicht auf Anhieb wieder, obwohl (oder eben weil) ich in dem einen oder anderen Fachbuch des einen oder anderen Studienganges danach suchte. Ich gelangte zu der Einsicht, tiefer schürfen zu müssen, was zu einer Phase haltloser Buchkäufe führte. Dazu nur soviel: Man glaubt gar nicht, wieviele Bücher es über LSD, Psilocybin und Ketamin gibt! Die intensive, jahrelange Auseinandersetzung mit der entsprechenden Literatur brachte mich einige Bewußtseinsstufen nach oben, ohne daß ich die entsprechenden Substanzen überhaupt einnehmen mußte. Entgegen den Erwartungen meines sozialen Umfeldes kehrte sogar mein fahnenflüchtiger Verstand zurück. Zur Begrüßung sagte er: “Geh’ arbeiten”.
Da man in diesem Land, an dem ich hänge wie Heine und Tucholsky, ohne amtliche Ausbildung kaum ein amtliches Auskommen einfahren kann, begann ich, zaghaft einige Titel aus dem Bestand meiner Privatbibliothek über Amazons Marketplace im so genannten Internet (die jüngeren unter den Lesern werden es kennen) zu verkaufen. Fast alles lief. Besonders gut das Material über Drogen und die Rote Armee Fraktion. Von letzterem konnten die Leute gar nicht genug bekommen. Kollegen, wenn Stefan Aust stirbt: Kauft sein Archiv! Besoffen vom unvermittelten Erfolg kam ich auf die esoterische (also wahnwitzige) Idee, der Gebrauchtbuchhandel sei für mich “gut” und “natürlich” und ich sei “auf dem richtigen Weg”. Bestätigung dafür fand ich ausgerechnet bei einem hochseriösen Barsortiment, daß mich eine zeitlang mit Restauflagen und Remittenden versorgte (von Haffmans Insolvenz zehre ich noch heute). Als der Markt implodierte, weil außer mir auch noch knapp hundertausend andere die sehr niedrigen Markteintrittsbarrieren für Versandantiquariate überwunden hatten, spielte mir Rechercheus, der Gott der Suchenden, eine Bibliothek mit Filmschriften zu. Diese Ware kam mir gelegen, weil ich den Cineasten nahestehe und außerdem im Alter von 16 Jahren Kunsthändler werden wollte (Film ist Kunst, obwohl einige Leute das seit hundert Jahren leugnen). Ich kaufte weitere Filmbücher, ich kaufte Kochbücher, Computerbücher, akquirierte Nachlässe. Aus einem fielen so viele Postkarten, Briefe und Widmungen, daß ich eine ganze, tragische Familiengeschichte rekonstruieren konnte. Außerdem wurden mir Sex-Filmchen auf Super 8 angeboten, aber davon erzähle ich bei anderer Gelegenheit.
Über die Gebrauchtbuchplattformen fand ich (Stamm-) Kunden aus aller Welt, vor allem aus Europa, Amerika, Asien und Australien. Was mit Afrika los ist, weiß ich nicht. Die Bestellungen kamen aus Forschung und Lehre, öffentlichen und privaten Bibliotheken. Autoren bestellten Bücher, um neue Bücher zu schreiben, Journalisten recherchierten für ihre Artikel. Sammler fanden das letzte Exemplar auf der Welt, Vielleser ihr Lesefutter. Neffen orderten Kinoprogrammhefte zu Filmen, in denen ihre Onkel mitgespielt hatten. Tanten suchten Kommunionsgeschenke für ihre Nichten. Eine Kundin kaufte ein Buch, das ihr im Krieg verschollener Großvater geschrieben hatte, ein Schauspieler das Buch seiner geschiedenen Frau, ein Regisseur die Biografie eines anderen Regisseurs, ein Schüler ein Übungsbuch. Er machte nach drei Wochen intensiven Durcharbeitens von seinem Widerrufsrecht gebrauch. Japanern schickte ich deutsche Bücher, Franzosen italienische, Briten französische. Spaniern spanische. Ich verkaufte an Buchhandlungen und war nicht sicher, ob sie noch existieren, wenn das Buch ankommt. Ich verkaufte an Kollegen und fragte mich jedes Mal, ob ich zu billig war. Doch egal, ob die Bücher trivial oder avanciert, verbreitet oder rar, günstig oder teuer waren, ob ich an Lehrerinnen, Kellner, Ärzte, Unternehmer, Schüler, Hausmänner oder Privatiers verkaufte: Ich führte zusammen, was zusammen gehörte.
Wenn ich also in eines meiner schönen Bücher versunken oben auf der vorletzten Sprosse der Jakobsleiter hocke, mit dem Kopf im Paradies und unten macht es dingdong, weil einer aus Millionen einen von Millionen Gründen hat, ein Buch bei mir zu bestellen, dann eile ich herab, wecke es aus dem Tiefschlaf, stecke es in einen Anzug aus Natronpapier und katapultiere es nach Wuppertal, Osaka oder Macondo. Denn da gehört es hin. Hinaus ins Universum.

P.S.: Wenn mir jemand die PayPal-Adresse vom Trinity College in Dublin nennen könnte, wäre ich sehr dankbar.  Ich schulde denen noch 1 Pfund 50, weil ich mich 1990 unbemerkt einer Besuchergruppe anschloß, um das Book of Kells zu besichtigen. Damit keiner sagt, ich hätte kein Herz für Handschriften.


Jun 11 2009

Illustrierter Film-Kurier: Schauspieler, von den Nazis verfolgt (Teil 1)

Das Kino war ein effektiver Bestandteil von Joseph Goebbels’ Propagandamaschine für den Nationalsozialismus. Zahllose Schauspieler ließen sich für die Sache des faschistischen Regimes instrumentalisieren, viele waren unpolitisch oder naiv, manche waren opportunistische Karrieristen. Die Grenzen dazwischen waren fließend. Wie in allen anderen Bereichen der Gesellschaft gab es viele Gründe, bei Partei und “Führer” in Ungnade zu fallen: Wehrkraftzersetzung (ein politischer Witz in der Theaterkantine und ein defaitistischer Brief brachten den Schauspieler Robert Dorsay aufs Schafott) oder “Versippung” mit Juden: Im Herbst 1938 befindet sich der Schauspieler Joachim Gottschalk beim Dreh des Gustav Ucicky Films “Aufruhr in Damaskus” in Nordafrika, während Deutsche in der Heimat ihre jüdischen Mitbürger in der sogenannten Reichskristallnacht terrorisieren. Gottschalk ist mit der jüdischen Schauspielerin Meta Wolff verheiratet, sie haben einen Sohn, Michael. Meta leidet seit Jahren unter einem Auftrittverbot, sie darf nicht mehr als Schauspielerin arbeiten. Gottschalk steht zu seiner Frau und lehnt eine Scheidung ab, er nutzt den Schutz des zynischen Privilegs der “Mischehe”.Im Jahr 1941, die “Endlösung” ist beschlossene Sache und Hans Hinkel, Goebbels Sonderbeauftragter für Juden im Kulturbetrieb, befiehlt Gottschalk die Scheidung, wird der Druck auf die Familie zu groß: In der Nacht vom 5. auf den 6. November flüchten Joachim und Meta mit ihrem Sohn mit Hilfe von Schlaftabletten und Erdgas  in den Freitod. Der Schauspieler René Deltgen findet sie in ihrer Berliner Wohnung.  Joseph Goebbels verbietet jeden Nachruf. Trotzdem organisieren Freunde, darunter Brigitte Horney, Ruth Hellberg, Gustav Knuth, Wolfgang Liebeneiner und Hans Brausewetter die gemeinsame Beisetzung auf dem Südwest-Kirchhof in Stahnsdorf.

Quellen:

Liebe, Ulrich: Verehrt, Verfolgt, Vergessen – Schauspieler als Naziopfer / Quadriga, Weinheim 1992

Moeller, Felix: Der Filmminister – Goebbels und der Film im Dritten Reich / Henschel, Berlin 1998

Hennig, Klaus J.: Oder man geht zugrunde … / Die  Zeit Online, http://www.zeit.de/2004/15/ZL-Gottschalk_2f15

wikipedia.de: Meta Wolff / http://de.wikipedia.org/wiki/Meta_Wolff

Illustrierter Film-Kurier Nr. 2927: Aufruhr in Damaskus / Franke, Berlin 1939


Mai 30 2009

Bücher- und Bouquinistenmarkt Münster

Am Sonntag, 7. Juni 2009 nehmen wir am Bücher- und Bouquinistenmarkt auf dem Rosenplatz und vor der Diözesanbibliothek im Kuhviertel in Münster teil. Wir werden unseren Stand größtenteils mit Filmbüchern und Film-Zeitschriften bestücken. Cineasten finden eine große Auswahl an Biographien von Schauspielern und Regisseuren, außerdem Filmtheorie, Genrebetrachtungen und Bildbände.