Feb 12 2009

Antiquar. Abk.-Wahns.

Liebe Antiquare! Ich hatte mich bereits an anderer Stelle über den unnötigen Abkürzungs-Wahnsinn in unseren Buchbeschreibungen mokiert. Der Kollege, bei dem ich die Chiffre “Eb.fl.u.best., .läd., Ti.verso gest., Schnitt stockfl.” gefunden habe, möge es nicht persönlich nehmen, es ist nur beispielhaft. Auch in meinem Bestand finden sich reichlich überkommene Wortamputationen, deren Nutzen sich nicht erschließt. Speicherplatz für Text ist doch reichlich vorhanden, ein Printkatalog kostet nicht sein Papier, sondern im Wesentlichen die Einrichtung der Druckmaschinen und die Verarbeitung. Wozu Buchstaben sparen?

Ich möchte aber nicht weiter klagen, sondern einige Werkzeuge empfehlen. Denn wem es auf  Schreibgeschwindigkeit und geringe Mühen ankommt, dem bieten sich dreierlei Hilfsmittel (gerne kombiniert, aber auch einzeln wirksam):

  1. Spracherkennung
  2. Autotype-Software
  3. Tastatur mit frei belegbaren Sondertasten

Falls Sie in den 90er Jahren bereits an einer Spracherkennungs-Software verzweifelt sind, wollen Sie davon garantiert nichts mehr wissen. Die Erkennungsraten waren unterirdisch, zu Fuß war man schneller und korrekter. Man war Teil einer langen, schmerzhaften Betaphase. Dank dieser sowie neuer Algorithmen gepaart mit schnellen Rechnern sieht die Welt heute ganz anders aus. Besonders die immer wiederkehrenden Phrasen unseres Arbeitsalltags lassen sich spielend schnell trainieren und rauschen absolut fehlerfrei in die Maschine: Einband fleckig und bestoßen, Rücken lädiert, Titel rückseitig gestempelt, Schnitt stockfleckig. Diktiert mit Dragon Naturally Speaking. Ich benutze die ältere Version 8, man bekommt sie günstig auf eBay oder dergleichen.

Eine andere Eingabehilfe stellen Autotype-Programme dar, zum Beispiel ShortCut. Damit definieren Sie Kürzel, die bei Eingabe stante pede in ihre Langform umgewandelt werden. Tippen Sie Br., erscheint Broschur auf dem Schirm. Sie können es auch so konfigurieren,  daß bei Eingabe von ESEL Ihre vollständige Adresse samt Zeilenumbrüchen geschrieben wird, der Kreativität sind da kaum Grenzen gesetzt.

Schließlich bietet sich noch eine handfeste Gamer-Tastatur wie die alte Logitech G15 an. Es gibt zwar straffere Keyboards, der Tasten-Hub ist ziemlich groß, aber dafür sind die 18 Funktionstasten zur Linken frei mit Texten belegbar, da bekommt man schon die wichtigsten Begriffe von Abbildung bis Zustand unter. Da jede dieser Tasten sogar dreifach belegt werden kann, kann man sich eine Bank für die Titelaufnahme, eine für Verwaltungsarbeiten und eine mit Schimpfwörtern zum Chatten belegen. Wenn ich “die alte” G15 schreibe, dann weil das aktuelle Modell mit weniger Sondertasten daherkommt und für den hier beschriebenen Zweck nur bedingt taugt.

Es besteht also kein ernsthafter Grund, unsere Kunden weiter mit kryptischen Zeichenfolgen zu verstören. Die vielen, absolut notwendigen, Fachbegriffe machen es dem Einsteiger schon schwer genug. Wir wollen Bücher doch auch den Menschen nahebringen, die ihr Graecum verpatzt haben und noch nicht ganz so sattelfest durch die unendlichen Weiten des antiquarischen Buchangebotes galoppern.