Mrz 30 2010

Tod eines kleinen Buchhändlers

Liza Marklund? Ich lese keine Krimis, und ich muss auch keine Krimileser beraten und mit neuem Stoff versorgen. Deswegen kenne ich Liza Marklund nicht. Neulich hat sie der FAZ (zum Thema Buchpreisbindung) gesagt, dass der kleine Buchhändler sie null interessiere und er verschwinden solle, denn das kümmere niemanden – was speziell bei kleinen Buchhändlern für große Aufregung gesorgt hat. Laut buchmarkt.de und boersenblatt.net läuft im Buchhandel sogar eine eMail-Kampagne gegen Marklund mit dem Ziel, ihre Bücher zu boykottieren.
Bei meinen Recherchen nach Marklund stieß ich in der Wikipedia auf ein Foto von ihr, das beim Krimifestival »Mord am Hellweg« in Werne gemacht wurde. Da es praktisch nichts Kleineres als Werne gibt, gehe ich erst mal davon aus, dass sie nicht grundsätzlich nur die großen Dinge wichtig findet.
Eher glaube ich, wir können an ihrem Beispiel sehen, wie man von dem geprägt wird, was man tut. Die Frau schreibt den ganzen Tag lang Geschichten von, wie man so sagt, Mord und Totschlag. Einen kleinen Buchhändler über die Klinge springenlassen? Normal! Dazu ist sie geradezu verpflichtet. Es ist doch damit zu rechnen, dass in ihren Romanen Legionen von Menschen aus allen Berufsgruppen gemeuchelt werden: Ärzte, Politiker, Kellnerinnen, Frisöre, Fußballspieler. Was, in Gottes Namen, hat da ein kleiner Buchhändler am Leben zu hängen? Hätte die FAZ mit ihr über ihre Einkünfte und ihre Geldanlagen gesprochen, hätte sie sicherlich gesagt: »Was interessieren mich die Bänker und Vermögensberater, sollen sie doch alle zum Teufel gehen, die vermisst doch keiner.«
Niemand hätte widersprochen.