Jun 11 2009

Illustrierter Film-Kurier: Schauspieler, von den Nazis verfolgt (Teil 1)

Das Kino war ein effektiver Bestandteil von Joseph Goebbels’ Propagandamaschine für den Nationalsozialismus. Zahllose Schauspieler ließen sich für die Sache des faschistischen Regimes instrumentalisieren, viele waren unpolitisch oder naiv, manche waren opportunistische Karrieristen. Die Grenzen dazwischen waren fließend. Wie in allen anderen Bereichen der Gesellschaft gab es viele Gründe, bei Partei und “Führer” in Ungnade zu fallen: Wehrkraftzersetzung (ein politischer Witz in der Theaterkantine und ein defaitistischer Brief brachten den Schauspieler Robert Dorsay aufs Schafott) oder “Versippung” mit Juden: Im Herbst 1938 befindet sich der Schauspieler Joachim Gottschalk beim Dreh des Gustav Ucicky Films “Aufruhr in Damaskus” in Nordafrika, während Deutsche in der Heimat ihre jüdischen Mitbürger in der sogenannten Reichskristallnacht terrorisieren. Gottschalk ist mit der jüdischen Schauspielerin Meta Wolff verheiratet, sie haben einen Sohn, Michael. Meta leidet seit Jahren unter einem Auftrittverbot, sie darf nicht mehr als Schauspielerin arbeiten. Gottschalk steht zu seiner Frau und lehnt eine Scheidung ab, er nutzt den Schutz des zynischen Privilegs der “Mischehe”.Im Jahr 1941, die “Endlösung” ist beschlossene Sache und Hans Hinkel, Goebbels Sonderbeauftragter für Juden im Kulturbetrieb, befiehlt Gottschalk die Scheidung, wird der Druck auf die Familie zu groß: In der Nacht vom 5. auf den 6. November flüchten Joachim und Meta mit ihrem Sohn mit Hilfe von Schlaftabletten und Erdgas  in den Freitod. Der Schauspieler René Deltgen findet sie in ihrer Berliner Wohnung.  Joseph Goebbels verbietet jeden Nachruf. Trotzdem organisieren Freunde, darunter Brigitte Horney, Ruth Hellberg, Gustav Knuth, Wolfgang Liebeneiner und Hans Brausewetter die gemeinsame Beisetzung auf dem Südwest-Kirchhof in Stahnsdorf.

Quellen:

Liebe, Ulrich: Verehrt, Verfolgt, Vergessen – Schauspieler als Naziopfer / Quadriga, Weinheim 1992

Moeller, Felix: Der Filmminister – Goebbels und der Film im Dritten Reich / Henschel, Berlin 1998

Hennig, Klaus J.: Oder man geht zugrunde … / Die  Zeit Online, http://www.zeit.de/2004/15/ZL-Gottschalk_2f15

wikipedia.de: Meta Wolff / http://de.wikipedia.org/wiki/Meta_Wolff

Illustrierter Film-Kurier Nr. 2927: Aufruhr in Damaskus / Franke, Berlin 1939



Feb 9 2009

Erika

Thematisch zum (ewig) gestrigen Post passt “Erika – Die frohe Zeitung für Front und Heimat – Mit Bildern, Rätseln, Denksport und Humor”.  Innen “Der Brief von der Front”, “Die lustigsten Frontgedichte”, “Unsere Pimpfe, ganz groß” oder “Künstlerfahrt zu unseren Soldaten”, über einen Frontbesuch des Schauspielers Paul Kemp.

“Erika” erschien ab 1940 und ging aus “Der Stern” (1938 und 1939) hervor. Beide erschienen im Deutschen Verlag, der 1937 aus dem enteigneten Ullstein Verlag entstanden war.



Feb 8 2009

Der “Deutsche Gruß”

Wie verstörend der sogenannte “Deutsche Gruß” im Anschluß an die freundliche Aufforderung zur Abonnentenwerbung dieses Kosmos-Flyers wirkt. Deutsche Alltagskultur 1938, dem Jahr der Reichskristallnacht.

Kosmos-Hitlergruß

Kosmos-Hitlergruß

Weiterführendes zur Corporate Identity der Nazis im Buch von Andreas Koop.